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Kirsten Koetter: Site-specific Research 2017 (PDF) Kirsten Kötter: Künstlerische Recherche. 2018 (PDF, deutsch, 30 Seiten, 21,3 MB)



Kirsten Kötter

Künstlerische Recherche

About

 

Einleitung

Dokumentarisch-künstlerische Recherche gesellschaftspolitischer Themen

Als Dokumente meiner künstlerischen Forschung entstehen Aquarelle, Videos, Fotos, Texte, Interviews, Sounddateien, die ich später in Videos und Installationen zur Aussage verdichte. Ich dokumentiere die Entwicklung gesellschaftspolitischer Themen im Alltag: Islam in Europa, Klimaerwärmung, deutsch-polnische-Beziehung, digitale Transformation. Meine künstlerische Arbeit ist auch ein zivilgesellschaftlicher Beitrag, weil sie Kommunikation zwischen Gruppen fördert. „Kirsten Kötter macht die Kommunikation zum Bestandteil ihrer Kunst. Ihre Arbeiten zeigen allgemeine gesellschaftliche Themen am Beispiel einzelner Menschen.“ (Elvira Mann-Winter, Galerie Rother-Winter).

Methoden

Site-specific artistic research

Beim Site-specific artistic research recherchiere ich vor Ort. Meine Arbeitsweise verbindet journalistische, ethnologische und künstlerische Methoden.

Methode: Teilnehmende Beobachtung
Wie bei der Teilnehmenden Beobachtung aus den Sozialwissenschaften setze ich mich derselben Situation aus wie die anderen. Ich dokumentiere gleichzeitig meine Beobachtungen. Ich nutze verschiedene dokumentarische Methoden. Dadurch dringe ich tiefer in das Geschehen ein.


Künstlerische Arbeit als dokumentarische Methode
Malerei-Recherche als „Türöffner“: Manchmal stört der Einsatz von Foto oder Video. Mein öffentliches Malen ist ein „Türöffner“ und setzt Interaktion in Gang.
Atmosphärischer Sound, Fotos, Video, Interviews: Wenn Fotografieren und Filmen stört, montiere ich später meine Skizzen digital in Fotos und Videos der leeren Räume. Videos ergänze ich mit Soundaufnahmen und wo möglich mit Interviews, Fotografien und Videosequenzen.
Projektkleidung: Bei der Recherche vor Ort trage ich häufig ein Kleidungsstück, das mit Angaben zu Ort und Zeit beschriftet ist. Später wird dieses Kleidungsstück Teil von Installation und Video.

Konnotation
Dokumentarisch-künstlerische Videos, Installationen im Kunstkontext
Performance und Aktion: Wie bei Performance und Aktion verbinden sich bei meiner Arbeit Kunstproduktion und -präsentation, und die Interaktion ist ein wichtiger Aspekt. Ich inszeniere mich in den Videos als Kunstfigur einer Forscherin, Rechercheurin, Protokollantin.
Kunst, Faktizität, Authentizität: Meine Arbeit verbindet Kunst mit Formen der Faktizität des Dokumentarfilms und des Journalismus. Meine Videos und Installationen integrieren das klassische Medium Malerei und nutzen es zur Berichterstattung. Zeitgenössische künstlerische Methoden wie die der Dekonstruktion brechen subtil die Narrative. Videos und Installationen bieten einen ungewohnten individuellen Blick auf kontroverse Themenkomplexe.
Zeit und Raum: Recherche und Dokumentation der Recherche, also ein Vorher und Nachher, vermischen sich, werden eins, denn was ich bei der Recherche male wird Teil der Dokumentation.
Hybridität: Meine Videos und Installationen sind hybrid, verbinden Analoges und Digitales.
Multiperspektivität: Ich versuche, die Sichtweisen unterschiedlicher Gruppen zu beachten. So ist mein Video über die Sehitlik Moschee gleichermaßen für Muslime und Nicht-Muslime gemacht.

Rechercheprojekte (2016 – 2018)


• Sehitlik Moschee Berlin, Islam in Europa

Das Video „Site-specific research Sehitlik Camii Berlin. 2014-05 - 2018-02“ zeigt die Auswirkungen der türkischen Repressionspolitik durch den Ausnahmezustand nach dem Putschversuch 2016 für junge moderne Muslime in Berlin. Die Sehitlik Moschee hat eine prächtige Architektur und wurde in den letzten Jahren zum Inbegriff einer innovativen Öffnung in die gesamte Gesellschaft. Getragen wurde diese Öffnung vom Moscheeteam, das Führungen, Seminare, Schulungen für nicht-muslimische Gruppen wie Polizei, Schulen etc. veranstaltete und einen interreligiösen Dialog führte. Viele Politiker besuchten die Moschee. Ender Cetin stand von 2011 bis 2016 als Vorsitzender des Moscheevereins für diese Politik. Die Sehitlik Moschee wird als DITIB-Moschee von der Türkei aus geführt. Die geänderten Vorzeichen der neuen türkischen Politik nach dem Putschversuch, welche Abgrenzung statt Integration in den Vordergrund stellte und sich auf traditionelle Werte fokussierte, bewirkten auch hier eine geänderte Politik. Ender Cetin ist nicht länger Vorsitzender des Vereins. Das Moscheeteam führt seit 2017 seine Arbeit außerhalb der Moschee fort. Das Video schildert mittels Malerei, digitalen Montagen, Fotografie, Video, Sound die Eindrücke der Künstlerin bei Besuchen der Moschee seit 2014, die von der gesellschaftspolitischen Öffnung geprägt waren und verbindet diese Sicht von außen mit Interviews von Mitgliedern des Moscheeteams und des Moscheevereins. kunstgespraech.de/video_sehitlik.html


• Subarktische Forschungsstation Kevo und Umgebung (Finnland) – Umgang mit Natur: Landschaft, naturwissenchaftliche Versuche, politische und wirtschaftliche Interessen

Die subarktische Forschungsstation Kevo liegt in der einsamen nördlichen Landschaft im Norden Finnlands bei Utsjoki. Seit den 1950er Jahren werden hier als Außenstelle der Universität Turku Experimente und Langzeitstudien durchgeführt. Eine Wetterstation und Seismographische Station ist ebenfalls bei der Forschungsstation angesiedelt. Utsjoki ist die finnische Stadt mit einem großen Anteil an Samen. Das Samische Parlament tagt in Inari, nicht weit von Kevo und Utsjoki. Das Video zeigt den vielfältigen Umgang mit Natur in und um Kevo: Naturwissenschaftliche Experimente (Videostill vgl. S. 10), Langzeitstudien, traditionelle und moderne Wohnformen, die der nördlichen Region angepasst sind, das Samische Parlament (Videostill S. 11), das zu einemneuen Fischereigesetz tagt und Proteste der Samen und Einwohner wegen des neuen Gesetzes, die Landschaft. Das Video folgt einem strengen Konzept: Aquarell mit Sound / Videoaufnahme vom Ort, oft mit der Künstlerin bei der Arbeit. kunstgespraech.de/video_kevo.html


• Gedenkstätte Slonsk (Polen) - Nationalsozialismus und Europa in Polen

„Auch einen scheinbar lokalen Charakter weist das Werk von Kirsten Kötter auf, das im Rahmen eines langjährigen Projektes Site-specific Research Slonsk 2012- 2017 entstanden ist und aus einem Videofilm und während ihrer Feldforschung in Polen von der Künstlerin getragenen speziellen Kleidungstücken besteht. Zuerst entführt Kirsten Kötter uns in die wunderschöne Landschaft des Nationalparks Warthemündung, obendrein ein polnisch-deutsches Grenzgebiet, und nimmt die Rolle einer Aquarellmalerin an, welche die idyllische Landschaft assoziativ festzuhalten versucht. Dann, wenn die Künstlerin unerwartet ihre Kamera in den Büroraum des Martyriumsmuseum Sonnenburg bewegt und auf die Leiterinnen der Gedenkstätte richtet, bekommen die mit kontemplativem Sound untermauerten Bilder einen ganz anderen Sinn. Aus der Erzählung der jungen polnischen Akademikerinnen erfahren wir, dass auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Sonnenburg, das am 31. Januar 1945 Schauplatz eines deutschen Endphaseverbrechens wurde, mehr als 810 Häftlinge ermordet wurden. Die Idylle verschwindet …“ (Iwona Bigos, Stadtgalerie Kiel, 2017) kunstgespraech.de/video_slonsk.html


• LAGeSo Berlin (Landesamt für Gesundheit und Soziales) – Flüchtlings- und Asylpolitik

Das Video „Site-specific research. Painting LAGeSo 2016-03 - 2016-07“ von 2018 wirft einen neuen Blick auf die Flüchtlingsthematik, denn es zeigt das LAGeSo (Landesamt für Gesundheit und Soziales Berlin), das 2016 für die Asylanträge der Geflüchteten zuständig war und damals in negative Schlagzeilen kam, aus Sicht einer Malerin. Videoaufnahmen mit digitalen Montagen, Skizzen, abstrakten Aquarellen und Fotos ermöglichen eine neue Auseinandersetzung mit der kontroversen Thematik. Gezeigt werden die Abläufe beim LAGeSo. Entstanden ist die Malerei live vor Ort in einer dreimonatigen Feldrecherche, an die sich eine Ausstellung im LAGeSo selbst anschloss. „Drei Monate lang ist Kirsten Kötter vor Ort am LAGeSo. Sie führt in dieser Zeit viele Gespräche auf dem LAGeSo Gelände, mit Geflüchteten, Sicherheitsleuten, Ehrenamtlichen, Sachbearbeitern, mit Erwachsenen wie auch Kindern. [Zur Vernissage:] Emotional bewegt schilderten Flüchtlinge ebenso wie Ehrenamtliche, Dolmetscher und Mitarbeiter aus ihrer Zeit am LAGeSo die extremen persönlichen Belastungen, die sie alle bewältigen mussten und immer noch müssen. Längst nicht alles haben sie schon bewältigt, Supervisionen als Hilfestellung gibt es nicht.“ (Jürgen Schwenzel, http://moabitonline.de/26904, 2016) kunstgespraech.de/video_lageso.html


• Re:publica, Digitalstadt: Vorträge – Digitale Transformation: Installation, abstrakte Aquarelle

Während die Digitalisierung in Deutschland stockt, schießen Vorträge wie Pilze aus dem Boden. Für eine Ausstellung recherchierte ich bei Vorträgen zur digitalen Transformation. kunstgespraech.de/da18.html kunstgespraech.de/rp18.html


• Artistic research digital transformation: Fotos von Ladengeschäften 1998 und 2018: Fotos, Video, Dokumentation

Wie verändern sich unsere Städte durch die digitale Transformation? Müssen Ladengeschäfte schließen? Nach 20 Jahren fotografierte ich dieselben ca. 200 Ladengeschäfte, die ich 1995 bis 1998 für verschiedene Kunstprojekte in mehreren deutschen Städten fotografiert hatte und analysiere die Veränderung. Von 1995 bis 1997 habe ich ca. 80 Läden in Frankfurt am Main fotografiert und weitere Läden in Kleinstädten und Großstädten. Hinzu kommen in Frankfurt die Aufnahmen von Google Street View von 2008. 110 Ladengeschäfte habe ich 1998 für das Kunstprojekt „Dort.“ fotografiert; entstanden ist damals die Installation „Vom Kreislauf des Geldes“. (kunstgespraech.de/ 98_kreislauf_01.htm) Eine genaue Auswertung steht noch aus, aber schon zeigt sich: Manchmal wurden Läden zu Wohnungen umgebaut, besonders in Vororten.. Meistens werden die Läden aber immer noch als Laden genutzt, und es ist ein anderes Geschäft dort. Viele Läden werden allerdings jetzt als Schnellimbiss oder Fastfood-Restaurant genutzt. Es kommt auch vor, dass die Läden für Workshops, Treffpunkte oder vergleichbare Zwecke umgewidmet werden. In manchen Läden ist wiederum immer noch dasselbe Geschäft zu finden. Von Herbst / Winter 2017 bis Sommer 2018 haben sich aber schon weitere Veränderungen ergeben, und es wurden Läden geschlossen.

Site-specific Research & Artistic Participant Observation

Participant observation is a method of field research in the social sciences. I work comparably. My work connects aesthetic and sociopolitical issues. I research the contemporary way of living. My artistic work takes place in public. I record events at special locations. I stay a long time at one place. I try to understand this place by all senses. I paint abstract paintings, take photos and videos, record sound. I talk with people.

So I collect paintings as well as situation reports, photos, sketches, videos, maps and metadata. This collection of information will be published in a video and in a brochure. I wear a special cloth during work: I paint the data of the location (latitude and longitude) and time (date, time) on a piece of clothing. I wear this during the project. So my activities can be recognized by others. I ask to take pictures of me. In the photos my garment will act as a caption. I myself will be a placeholder for the viewer of the photo.

I paint with oil on fabric or canvas or I paint water colours.

Painting & Installation

Painting is the heart of my work. I also paint in my studios where time is not limited. I am interested in light and colours, combined with gesture. My motifs own a special three-dimensionality. Space is also important for me.Often I install pictures in front of the wall. Sometimes I add sound, video and objects.

All Projects (Index)





Kirsten Koetter: Site-specific Research 2017 (PDF) Kirsten Kötter: Site-specific Research. 2017 (PDF, deutsch / English, 32 pages, 22 MB)





Kirsten Koetter: Site-specific Research 1991 - 2015 (PDF) Kirsten Kötter: Site-specific Research. 1991 - 2015 (PDF, deutsch / English, 32 pages, 21,2 MB)





Kirsten Kötter: Kunst als Architektur einer freien Gesellschaft, 23.11.-14.12.2014, Kunstfabrik Darmstadt, Broschüre 2014, 12 Seiten (PDF, 3.14 MB)Kirsten Kötter: Kunst als Architektur einer freien Gesellschaft, 23.11.-14.12.2014, Kunstfabrik Darmstadt, Broschüre 2014, 12 Seiten (PDF, 3.14 MB)

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